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Das IfKW gratuliert Prof. Dr. Guy Stern zum 100. Geburtstag

Unserem einstigen Gastprofessor Guy Stern zum 100. Geburtstag

14.01.2022

Am 14. Januar 2022 begeht Professor Dr. Guy Stern seinen 100. Geburtstag in – hier darf das wirklich einmal mit vollem Recht gesagt werden – völliger körperlicher und geistiger Frische.

Den gebürtigen Hildesheimer Günther Stern schickte seine jüdische Familie 1937 zu einem Onkel ins ferne St. Louis, Missouri. Das rettete ihm das Leben; der geplante Nachzug seiner Eltern und Geschwister scheiterte. Sie wurden von den Nationalsozialisten in den Osten deportiert und ermordet. Günther, nunmehr Guy, verdiente sich mit Kellner-Jobs den Besuch einer High School und die ersten Studiensemester. Im Zweiten Weltkrieg meldete er sich zur amerikanischen Armee und wurde zur Feindaufklärung herangezogen. In Camp Ritchie, Maryland, zum Befrager von deutschen Kriegsgefangenen ausgebildet, war er von der Invasion bis zum Kriegsende als einer der nachmals berühmt gewordenen „Ritchie-Boys“ tätig.

Nach dem Studium von Germanistik, Romanistik und Komparatistik wurde er bereits in jungen Jahren zum Professor an amerikanischen Universitäten berufen. Sich nicht mehr mit deutscher Sprache und Kultur zu befassen, wäre für ihn einem späten Triumph der Nazis gleichgekommen; mehr und mehr kristallisierte sich die Exilliteratur und Exilpublizistik zu seinem Hauptforschungsgebiet heraus. 1962 kam er mit einem dreisemestrigen Fulbright-Stipendium nach München. Er hatte sich die Aufgabe gestellt, über den Journalisten und Schriftsteller Efraim Frisch und besonders dessen in den 1920er Jahren in München herausgegebene Kulturzeitschrift „Der neue Merkur“ zu forschen. In unserem Hause, damals noch als „Institut für Zeitungswissenschaft“ firmierend, fand er schon damals in Heinz Starkulla sr. einen kompetenten Ansprechpartner, den er auch 1965 als Gastprofessor berief, gleich nachdem er Chef des Germanistischen Institutes an der University of Cincinnati wurde.

Eine enge Verbindung unseres Institutes zu Guy Stern blieb bestehen, auch nachdem er an andere Universitäten berufen wurde. Zwischenzeitlich zum Vizepräsidenten der Wayne State University (Detroit, Michigan) aufgestiegen, blieb er als Distinguished Professor weit über sein 80. Lebensjahr hinaus deren Germanistik erhalten. Daneben versah er etliche Gastprofessuren in Deutschland; 2000 führte ihn sein Weg wieder an unser Institut. Hier und bei den Germanisten hielt er Vorlesungen und Seminare ab; sein Hauptseminar über Exilpublizistik musste geteilt werden, weil der Name Stern über 90 Teilnehmer angezogen hatte.

In den letzten Tagen sind zwei Festschriften zu Ehren des bereits mit hohen internationalen Auszeichnungen bedachten Jubilars erschienen: „Von der Exilerfahrung zur Exilforschung“, hrsg. von Frederick A. Lubich und Marlen Eckl, Würzburg 2022, sowie „Guy Stern und Hildesheim“, hrsg. von Rolf Altmann u. a., Hildesheim 2022. Und pünktlich zu seinem Geburtstag kommt auch die deutsche Fassung seiner Lebenserinnerungen heraus: „Wir sind nur noch wenige“, Berlin 2022. Die Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt/M. veranstaltet am 18. Januar einen Gratulations-Zoom mit Guy Stern, zu dem man sich hier anmelden kann.

Das IfKW wünscht Guy Stern in alter Verbundenheit zu seinem 100. Geburtstag genau das, womit er sehr oft seine Briefe, Mails und Telefonate beschließt: „Alles Liebe und Gute!“


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